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Mummenschanz im Gerichtssaal

13. November 2002 Kommentar zu dem Bericht der MAZ, S. 6

Bildunterschrift : "Der Schwerverbrecher Schmökel sitzt im Gerichtssaal einem SEK-Beamten gegenüber."

Sensationshaschend berichtete die MAZ am 5.November 2002 über den Prozeß gegen den brutalen Mörder Frank Schmökel mit Fotos auf denen der Angeklagte vor vermummten Wächtern zu sehen war. Es stellt sich die Frage, was sollte der Unsinn, wenn im Gerichtssaal Männer mit Sturmhauben maskiert herumstehen? Meine Meinung dazu:

Wir haben in der Regel für solche Fälle die Angehörigen des Strafvollzugdienstes oder auch Beamte der regulären Polizei, die in jedem erdenklichen Fall für Ordnung im Gerichtssaal sorgen und notfalls einen Widerspenstigen disziplinieren können.

Im Mittelalter war es üblich, daß sich die Henker maskieren mußten. Und zwar deshalb, weil ihre Tätigkeit als unehrenhaft galt. Das wird ja wohl nicht auf die Herren mit den buntkarierten Jacken und den Strickmützen vor dem Gesicht im Neuruppiner Gerichtssaal zutreffen!

Dann gäbe es theoretisch noch einen weiteren Grund, weshalb sich Ordnungshüter maskieren müssen. Und zwar, um sich vor Übergriffen von Sympathisanten des- oder derjenigen, die sie zu maßregeln haben, zu schützen und daher anonym bleiben wollen. Doch auch das kann wohl in diesem Fall nicht zutreffen.

Es ist nicht erinnerlich, daß sich bei den großen Strafprozessen der Geschichte, ob beispielsweise im Nürnberger Prozeß, ob gegen den Judenmörder Eichmann oder zuletzt gegen Erich Honecker, Wachmänner maskieren mußten, weil sie Angst hatten, anschließend von Getreuen des Verurteilten aufgelauert zu werden. Und selbst bei einem Schmökel, für den vielleicht sogar eine Mehrheit der Bevölkerung die Todesstrafe wünscht, braucht der Ordnungshüter sich nicht zu schämen, daß er ihn bewacht oder gar Furcht zu haben, daß er wegen dieser Tätigkeit angefeindet werden würde. Ganz im Gegenteil, wenn dazu aufgerufen worden wären, hätten sich Hundert von Männern gefunden, die den allgemein verachteten Mörder schon gezeigt hätten, wo es lang geht. Und das vermutlich sogar kostenlos.

Also bleibt nur noch ein Schluß für den Maskenball im Gerichtssaal übrig: Der Staat schützt das Volk mit harten Männern von Sondereinsatzkommandos! Es sollte offensichtlich zugleich demonstriert werden, seht her Bürger, so doll bewachen wir den wildgewordenen Gewalttäter! (Der uns zuvor durch die Lappen ging und dabei wieder zum Mörder wurde - mit der Frage der Schuld der Gesellschaft wegen unzureichender Obhut eines bekannten Gewalttäters.)

Wenn also die politisch Verantwortlichen solch eine Show im Gericht inszenieren, so scheint, sie wollen uns eine besondere Sicherheit vorgaukeln. Ein Bißchen mehr Ehrlichkeit wäre besser...